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10.01.2019, 22:21

Kahun spielt in Chicago eine tragende Rolle

Der deutsche Stürmer zeigt in seiner Rookie-Saison, welch enormes Potenzial in ihm steckt

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Chicago Blackhawks

Als sich Dominik Kahun im Sommer zum Dienstbeginn bei den Chicago Blackhawks einfand, hatten ihn nur wenige Fachleute aus Nordamerika für eine tragende Rolle auf dem Zettel stehen. Wenn überhaupt, tauchte sein Name in den von einschlägigen Medien veröffentlichten Prognosen lediglich in den hinteren Angriffsformationen auf. Das sollte sich als völlige Fehleinschätzung erweisen.

Die sportliche Leitung, allen voran Trainer Joel Quenneville, wusste um das enorme Potenzial, das in dem 23 Jahre alten Deutschen steckt. Im Trainingscamp und in der Vorbereitung bestätigte er die Erwartungen der Blackhawks, die ihn im April 2018 vom amtierenden deutschen Meister EHC Red Bull München verpflichtet und mit einem Entry-Level-Vertrag über zwei Jahre ausgestattet hatten. Kahun schaffte nicht nur auf Anhieb den Sprung in den NHL-Kader, sondern zugleich in die Top-Reihe an die Seite von Kapitän Jonathan Toews. In der laufenden Saison kam er bislang in allen 45 Partien zum Einsatz, schoss sechs Tore und bereitete elf Treffer vor.

Gleich in der ersten Woche des Ligabetriebs im Oktober stellte Kahun seine Scoring-Qualitäten unter Beweis. Gegen die Toronto Maple Leafs bekam er zwei Assists bei seinem dritten Auftritt gutgeschrieben. Im darauffolgenden Match bei den Minnesota Wild trug er sich erstmals in die Torschützenliste ein. Auch als die Blackhawks nach ihrem guten Saisonstart eine schwere Krise durchmachten und sich von Quenneville trennten, hatte das für Kahuns Stellung im Team keine wesentlichen Konsequenzen. Der neu installierte Coach Jeremy Colliton beorderte ihn zwar kurzzeitig in die dritte Sturmreihe, machte dieses Experiment jedoch nach wenigen Begegnungen rückgängig und schickte ihn wieder in der ersten Reihe zusammen mit Toews aufs Eis.

Ein besonderes Erlebnis war Kahun am Neujahrstag vergönnt. Im NHL Winter Classic 2019 gegen die Boston Bruins im Notre Dame Stadium von South Bend absolvierte er sein erstes Outdoor-Match und erzielte dabei vor den Augen seiner Familie ein Tor. "Das war ein unbeschreibliches Gefühl, das ich nie vergessen werde", sagte er im Anschluss an die Begegnung zu NHL.com/de. "Die Winter Classics sind immer etwas Besonderes für mich gewesen. Schon als kleiner Junge habe mir die Spiele im Fernsehen angeschaut. Dass ich jetzt selbst dabei sein konnte und zur Krönung ein Tor geschossen habe, ist natürlich ein Traum und macht mich stolz."
Kahun ist nach Marco Sturm erst der zweite Deutsche und der elfte Rookie in der Geschichte der Liga, der in einem Outdoor-Spiel während einer NHL-Hauptrunde einen Treffer markierte. Der frühere Bundestrainer und aktuelle Assistenzcoach der Los Angeles Kings führte die Bruins beim NHL Winter Classic 2010 in der Verlängerung zum 2:1-Erfolg gegen die Philadelphia Flyers. Tom Kühnhackl verewigte sich bei seinem Outdoor-Einsatz mit einer Vorlage. Leon Draisaitl, Dennis Seidenberg und Jochen Hecht gingen leer aus.

Gerne hätte der Blackhawks-Stürmer wie seinerzeit Sturm die Arena als strahlender Sieger verlassen. Doch Chicago gab das Duell nach Kahuns 2:1 noch aus der Hand. 2:4 hieß es nach 60 Minuten gegen die Bruins. "Wir haben am Anfang viel Druck gemacht und sind verdient in Führung gegangen. Danach haben wir einfach zu viele Strafzeiten bekommen. Das Penalty-Killing hat uns Kraft gekostet. Trotzdem hatten wir im letzten Drittel beim Stand von 2:2 einige Gelegenheiten, das Spiel für uns zu entscheiden. Leider haben wir sie nicht genutzt. Nach dem Rückstand fiel es uns schwer, noch einmal zurückzukommen", analysierte Kahun. Trotz der Niederlage überwog für ihn das Positive. "Es hat Spaß gemacht. Für mich war das Winter Classic ein ganz spezieller Moment, vergleichbar mit Olympia oder einer Weltmeisterschaft."

Von den Deutschen, die derzeit in der NHL aktiv sind, ist Kahun der einzige, der nicht über einen NHL Entry Draft den Weg in die Beletage des nordamerikanischen Eishockeys fand. Nach starken Auftritten in der DNL, der höchsten deutschen Nachwuchsliga, wählten ihn die Sudbury Wolves im CHL Import Draft 2012 in der zweiten Runde an 39. Stelle aus. Zwei Jahre lief er für sie in der OHL auf. In der regulären Saison bestritt er 101 Begegnungen und erzielte 71 Scorerpunkte (22 Tore, 49 Vorlagen). In den Playoffs fügte er zwei Tore und sechs Vorlagen in 14 Partien hinzu.

Im Sommer 2014 kehrte er nach Deutschland zurück und streifte fortan das Trikot des EHC Red Bull München über. Zwischen 2016 und 2018 holte er mit der Mannschaft dreimal hintereinander den Meistertitel in der DEL. Bei den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea gewann er mit der deutschen Auswahl sensationell die Silbermedaille. Mit zwölf Punkten (vier Tore, acht Assists) in 18 Spielen war er Top-Scorer des Nationalteams in der Saison 2017/18. Seine Leistungsnachweise machten Kahun für die Späher der NHL zum Objekt der Begierde. Mehrere Klubs signalisierten ihr Interesse. Das Rennen machten schließlich die Blackhawks.

In Chicago fühlt sich Kahun rundum wohl. "Ich habe gute Nebenleute und kann meine Stärken als Skater und in der Spielgestaltung voll zur Geltung bringen. Mit jedem Training und jedem Einsatz bekomme ich mehr Selbstvertrauen", sagte er. Die Verantwortlichen der Blackhawks werden diese Worte gerne vernehmen.

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