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Kolumne Sechs mit Gummi Zuschauerentwicklung in der Oberliga West – Wenige nutzen das Verbundticket

Zuschauerentwicklung in der Oberliga West – Wenige nutzen das Verbundticket PDF Drucken E-Mail
Sechs mit Gummi
kolumne_75x75Sechs mit Gummi die eishockey.net-Kolumne. Ja, es hätte so schön sein können. Eine von allen gewünschte Straßenbahnliga, mit kleinen Ausnahmen, sollte für volle Hallen sorgen. Die Realität sieht leider anders aus.
Die Gründe sind vielfältig, an Vielen kann man nichts ändern, andere Gründe liegen in der Darstellung, an der die Oberligisten nichts können, aber auch hausgemacht Gründe sind nicht von der Hand zu weisen.

Bevölkerungsentwicklung und gesellschaftlicher Wandel

Denkt man an unabänderliche Tatsachen, dann fallen mir zunächst die guten Stimmungen  in den Hallen in den 70/80er Jahren ein, die sich vom Fußball wohltuend durch Witz unterschieden. In der Tat war Eishockey en Vogue, egal ob auf den Stehrängen oder mit Pelz auf der Tribüne. Es waren die Zeiten, als man seine Emotionen richtig ausleben konnte.

Schaut man sich die Bevölkerungsentwicklung in unserer Bundesrepublik an, so konnte man in der ersten Hälfte der sechziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts immer über 1,3 Mio. Geburten pro Jahr zählen. Zwanzig Jahre später waren es nur noch gut 0,8 Mio. (heute sind es um 0,7 Mio.).  Das es heute an Nachwuchs in den Hallen mangelt, ist augenscheinlich.

Hinzu kommt der gesellschaftliche Wandel. Anforderungen in Schule und Beruf lassen viele Anhänger schlichtweg nicht mehr die Zeit, ihrem Hobby zu Frönen. In diesem Zusammenhang fällt mir auch das in 1996 geänderte Ladenschlussgesetz ein. Vielen Mitarbeitern aus dem Einzelhandel war der freitägliche Besuch der Hallen einfach nicht mehr möglich.

Nicht vergessen darf man auch, daß doch mancher Fan erkannt hat, daß es ein Leben neben dem Eishockey gibt. Familie, Kinder, Umzug (auch beruflicher Natur). Viele Fan-Cliquen wurden immer mehr reduziert, manche lösten sich ganz auf. Übrig blieben Lücken.

Außendarstellung

Machen wir uns nichts vor. Ein Produkt ist nur so gut, wie es von der Außenwelt wahrgenommen wird.  Das Premium-Produkt ist zum einen die Nationalmannschaft, zum anderen die DEL.

Konnte die Nationalmannschaft noch 1974 eine Bronzemedaille erringen, konnte bei den Spielen 1984 und 1988 noch fünfte Plätze erreicht werden, so fällt einem danach nur noch die unglückliche Penalty-Niederlage (nach bescheidener Vorrunde) von Méribel 1992 gegen Kanada ein. Es ging danach stetig bergab. Auch bei Weltmeisterschaften befand man sich mehr oder weniger nur noch  im Fahrstuhl. Eine Ausnahme bildet die letzte Weltmeisterschaft im Mai dieses Jahres mit einem überraschenden beachtlichen vierten Platz. Beachtlich insbesondere von der Spielweise her, wurde doch endlich wieder Hockey gezeigt.

Dem gegenüber stehen die Schlagzeilen der DEL. Positive Schlagzeilen aus den vergangenen Jahren fallen mir kaum ein. Bestimmt haben die Überschriften der chronische Geldmangel der Vereine (man kann auch sagen, daß diese hausgemachten Schlagzeilen damit zusammenhängen, daß Vereine meist mehr ausgegeben haben, als sich am Saisonende auf der Einnahmeseite verbuchen ließ). Grotesk wurde es in diesem Sommer, als ein Außenstehender, der von Tuten und Blasen (in diesem Fall vom Sport) keine Ahnung hatte, den Eishockeysport durch den Dreck zog. Die kleine Pflanze aus dem vorherigen Mai konnte nur vertrocknen.

Medienpräsenz

Wir haben heute die tollen Bilder von Sky (vormals Premiere). Ein wirklich gelungenes Format, allerdings mit nur unzureichender Präsenz auf Deutschlands Bildschirmen. Interessierte werden sich das sicherlich dann und wann anschauen, neue Kunden oder Zuschauer erreicht man so nicht. Der normale Mensch erfährt aus den Medien fast keine Argumente, weshalb er Eishockeyspiele besuchen soll. Stattdessen werden die Rundballer vorne und hinten gepudert. Jeder Mist wird übertragen.

Modus und Spiele

Welcher Modus gilt heute, welcher in den vergangenen Jahren? Es muss schon ein Experte sein, der hierauf passende Antworten aus dem Hut zaubern kann. Zu häufig wechselte der Modus in den vergangenen Jahren, zu schwierig war es, sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Verzerrte und aufgeblähte Spielpläne in Abhängigkeit der Verfügbarkeit und Rentabilität von Multifunktionsarenen taten ihr Übriges. Schlussendlich eine fast völlig entwertete Vorrunde, die man vielfach auch den Spielen ansehen konnte, machte den Besuch der Spiele nicht eben schmackhaft. Dienstags- und Donnerstags-Spieltage sind dann auch nicht förderlich. Die unsägliche Anzahl an Spielen muss vom Besucher auch finanziert werden. Das ein gewisses Rosinenpicken immer mehr Mode wird ist nur zu verständlich. Hinzu kommt eine verordnete Regelauslegung, die jegliche Emotionen unterdrückt. Natürlich gehört ein guter Fight auch mal zu einem Spiel (man muss sich nur die Einschaltquoten bei den Klitschkos ansehen). Eishockey ist kein Hallenhalma.
Nicht zu vergessen die autistische Ader des deutschen Sportanhängers, der fast alles vom Rundball ableitet. Mir stellt sich immer mehr die Frage, ob die Playoffs wirklich der Weisheit letzter Schluss sind. Vom fehlenden Auf- und Abstieg ganz zu schweigen.

Gesichtslose Organisationen

Keine Frage, früher standen gewisse Spieler für Vereine. Sie gaben den Vereinen ein Gesicht. So konnte man auch Feindbilder liebgewinnen, die einen Besuch immer rechtfertigten. Man spielte nicht gegen Landshut, sondern gegen (A)schloder, Krümelmonster und (S)auhuber. Die Ausländer hatten einen ganz anderen Stellenwert. Lee und Valentine kennt noch heute jeder Freund des Eishockeys. Als Folge der Bosman-Entscheidung gab es nur noch ein hire and fire. Wenn die Spieler nur so fluktuierten, wie kann sich da eine Kontur oder gar ein Gesicht eines Vereins bilden? Dem kurzfristigen Erfolg wird eine nachhaltige Planung geopfert. Eine vernünftige Identifikation mit Verein und Spielern wird immer schwerer.
Sonstige Skandale und Skandälchen, wie z.B. den Paßfälscherskandal (Duisburg/Köln), lasse ich mal außen vor.

Oberliga und weitere Probleme.

Alle vorherigen Punkte haben zunächst keinen direkten Bezug zur Oberliga. Allerdings fallen die negativen Wahrnehmungen dieser Punkte auch auf die restliche Eishockey-Landschaft zurück. Daran können die Oberligisten nichts ändern, müssen aber dennoch damit leben. Hinzu kommen hausgemachte Probleme.
Duisburg – Essen – Ratingen, diese drei Vereine haben schon bessere Zeiten erlebt (Bad Nauheim lasse ich einmal unberücksichtigt, da diese Zeiten schon wirklich lange zurück liegen). Viele Fans sehen den Neuaufbau lediglich als Durchgangsstation zu neuen Ufern. In Duisburg kommt noch hinzu, daß man sich in den letzten DEL-Jahren der Lächerlichkeit preisgegeben hat. In Ratingen geht es nicht schnell genug voran. Es genügt nicht zu gewinnen, nein, es muss auch schön gewonnen werden. Das vergrault viele Fans. Man kann auch sagen, daß die Erwartungshaltung einer Nachhaltigkeit keine Chance einräumt. In Ratingen kommt noch hinzu, daß keine vernünftige Vergangenheitsbewältigung stattgefunden hat. Nebenkriegsschauplätze gibt es zu viele und zu viele Köche, verhurtzen den Brei.
Die Hallenproblematiken in Herne (letztes Jahr), Essen, Bad Nauheim, Neuss und Dortmund, die sich  in der Vorbereitung und teilweise den ersten Spielen mit viel Geld Ausweichquartiere beschaffen mussten, sind auch nicht hilfreich. Das Geld hätte man sicherlich auch sinnvoller verwenden können, zum Beispiel in eine bessere Außendarstellung.
Spielwertungen am Anfang der Saison mit Klageandrohungen (wohl ein hessisches Syndrom).
Sinnfreier Dauersupport, gewaltfreier Zu- und Abgang zu den Hallen, und, und, und…..

Fazit

Für unsere Oberligisten wird es schon schwierig, wenn sie durch die Repräsentanten dieser Sportart keinerlei  Unterstützung erfahren. Insofern ist es zur Zeit ein Kampf gegen Windmühlen. Wenn der 1. Vorsitzende der Ratinger Ice Aliens sagt, daß der Zuschauer in Ratingen keinen Bock mehr auf Eishockey hat, dann hat er damit sicherlich recht. Es ist aber kein Ratinger Phänomen. Ein Überleben in diesen Nischen ist nur dann möglich, wenn über die emotionale Schiene im positiven Sinne etwas bewegt werden kann und wenn Argumente gefunden werden, die es lohnenswert machen, sich mit dem Verein zu identifizieren.

Für eishockey.net: Jürgen Windeck

Unser Kolumnist Jürgen Windeck freut sich über spannende Diskussionen im Forum: Link




 
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