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Kolumne Sechs mit Gummi Kassel - Wenn die Huskies vor die Hunde gehen

Kassel - Wenn die Huskies vor die Hunde gehen PDF Drucken E-Mail
Sechs mit Gummi
kolumne_75x75Sechs mit Gummi die eishockey.net-Kolumne. Ja, es sind in der Tat Hundstage. Da hat doch eine Eishockey-GmbH sich eines Teils der Schulden entledigt und nun das. Fangen wir einmal ganz von vorne an. Es gibt einen in Kassel beheimateten Verein, der seinerzeit in der 2. Liga mit Kanonen auf Spatzen geschossen hat.

Schon seinerzeit war es den Huskies nicht möglich, ihren Kader zu bezahlen. Dennoch konnte man aufgrund dieser Wettbewerbsverzerrung sportlich aufsteigen. Ein Widerspruch an sich und die Folgen werden dann auch immer widersprüchlicher.

In der DEL angekommen, fristeten die Huskies ein Dasein am unteren Ende der Tabelle. Nach Duisburgs Abgang hatten sie dann keinen Konkurrenten mehr. Es wurden weitere Schulden angehäuft. Kassel stand vor der Pleite und es traf ein neuer Messias ein. Der Herr Dennis Rossing kaufte die Kassel Huskies Sportmanagement GmbH und der Vorbesitzer Lippe erhielt einen Freibrief. Welches Interesse konnte Dennis Rossing haben, solch einen maroden Verein zu übernehmen? Vom Eishockey hatte er keine Ahnung. Auch der bestellte Geschäftsführer, Dr. Fritz Westhelle war kein ausgewiesener Eishockeyfachmann.

Rossing ist Investor und ihm schwebte vor, auf dem ehemaligen Salzmann-Gelände eine Multifunktionsarena zu errichten. Solche Multifunktionsarenen lohnen aber nur dann, wenn sie entsprechend gefördert, wenn sie später entsprechend ausgelastet oder gewinnbringend veräußert werden. Für die Auslastung konnte man die Kassel Huskies ja auch verwenden. Ergo wurden sie gekauft. An den Schulden hatte er natürlich kein Interesse. Die Schulden in Höhe von knapp € 5 Mio., für solch einen kleinen Verein sicherlich kein Pappenstiel, sollten reduziert werden. Hierzu kam Dennis Rossing das Insolvenzrecht entgegen, denn die beabsichtigte Planinsolvenz in Eigenregie bietet die Möglichkeit sich zu entlasten, sofern alle Gläubiger dem zustimmen. Der Antrag auf Insolvenz in Eigenregie erfolgte drei Tage nach dem Kauf der Huskies.
Aufmuckende Gläubiger wurden übrigens durch Gönner (Bruder des Herrn Rossing) vollends entschädigt, also nicht mit einer Quote von 20 % abgespeist. Banken blieben völlig außen vor, denn sie werden schließlich noch zur Finanzierung des Bauvorhabens benötigt. Diese beiden Punkte sollen die faire Praxis der Planinsolvenz in Eigenregie nur ansatzweise darstellen.
Die DEL hatte schon vorab den GF Westerhelle gewarnt, daß die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens den Ausschluss aus der DEL zur Folge hat. So sieht es der DEL-Gesellschaftervertrag vor, so sieht es der Kooperationsvertrag DEL/DEB/ESBG vor.
Obwohl die Planinsolvenz noch nicht rechtsgültig abgeschlossen ist, so kann davon ausgegangen werden, daß sie aus Sicht der Schlittenhunde im Ergebnis durch ist. Interessanterweise findet sich im Insolvenzplan auch ein Hinweis, daß durch die freiwerdenden Mittel ein gesunder Etat für die kommende Saison gewährleistet ist.

Dr. Fritz Westhelle ist Anwalt und ein ausgewiesener Insolvenzfachmann. Seine Bestellung zum GF der Kassel Huskies war seitens Dennis Rossing schon eine sinnvolle Entscheidung. Er kennt sich im Insolvenzrecht aus und machte seinen Job. Rechtlich absolut in Ordnung (die moralische Seite bei der Abwicklung lasse ich einmal außen vor).

Auf der anderen Seite haben wir Regeln im Sport. Diese Regeln haben seinerzeit auch die Kassel Huskies mitgetragen, sonst könnten sie nie Gesellschafter werden. Das wollen die Schlittenhunde aber nicht wahr haben. Allein die Argumentation, daß Inhaber und Geschäftsführer die Schulden nicht angehäuft haben, entbehrt jeglicher Grundlage. Als Käufer trete ich in bestehende Verträge ein mit allen Rechten und Pflichten. Weshalb wurde der vorherige Eigner nicht in Haftung genommen?

Der Kern der Argumentation von Westhelle zielt aber auf die Tatsache, daß ein nach Abschluss der Planinsolvenz an sich gesunde GmbH eigentlich nicht ausgeschlossen werden dürfe, ja die DEL ihrer Fürsorgepflicht nicht nachkommen würde, wenn die Schlittenhunde keine Lizenz erhielten.
Kommen wir nun zu den Regeln. Der Gesellschaftervertrag sieht u.a. vor, daß bei einem wichtigen Grund, insbesondere der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, ein Gesellschafter ausgeschlossen werden kann. Diese „Kann-Formulierung“ ist der Rechtsprechung geschuldet, die einen Automatismus verbietet und für diesen Ausschluss eine Dreiviertelmehrheit der Gesellschafter vorsieht. Mit umstrittenen Einstweiligen Verfügungen wird die DEL daran gehindert, ihre Regeln einzuhalten. Hierzu ist bis zum heutigen Tag noch nichts entschieden. Hierzu will ich deshalb auch jetzt nicht weiter schreiben.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Westhelle ordentliche Gerichte bemüht und nicht die Sportgerichtsbarkeit. Selbst die Versagung der Lizenzbestätigung seitens der DEL aufgrund einer Empfehlung einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungskanzlei wurde per Einstweiliger Verfügung torpediert.
Westhelle und die Huskies stellen die Sportgerichtsbarkeit (DEL-Schiedsgericht) sogar als zu DEL-nah dar. Wenn es für sie nicht opportun erscheint, dann stellen sie sich immer gegen ihre Partner, bei denen sie eigentlich vollwertiges Mitglied sein wollen und per Einstweiliger Verfügung die Anerkennung eingeklagt haben.

Hier geht es um mehr als um die Lizenz für ein paar Hunde. Hier geht es darum, daß getroffene Vereinbarungen nicht vor die Hunde gehen. Wie so Vieles im Sport, sind es Regelungen, wir können es Gentlemen´s Agreements nennen, die mit geltendem Recht eigentlich nichts zu tun haben. Beispiele gibt es genug. Dazu gehören zum Beispiel auch
- die 9000-Punkte Regelung;
- die Beschränkung der Ausländer-Lizenzen;
- die Alterslimitierung in Teilen des Kaders;
- und, und …

Nichts hat übrigens die Huskies seinerzeit davon abgehalten, mit ihrer Stimme die Mücken ins Nirwana mit zu befördern. In diesem Zusammenhang gibt es auch ein OLG-Urteil, welches man sich schon mal zu Gemüte führen sollte.

http://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/koeln/j2004/18_U_59_03urteil20040108.html

In Absatz 74 ist die sanierende Insolvenz angesprochen:

Zitat:
Die Beschlussfassungen vom 18.03.2002 wie auch vom 17.05.2002 sähen sich aber auch materiellen Einwendungen entgegen. So sei zwar mit der Einführung der neuen Insolvenzordnung das Wort "Konkurs" in § 18 Absatz 2 der Satzung durch das Wort "Insolvenz" ersetzt worden, damit seien aber weiterhin nur die bisherigen Konkursgründe gemeint gewesen. Die nunmehr in die Insolvenzordnung zusätzlich aufgenommene sog. sanierende Insolvenz hätte nicht erfasst werden sollen. Hierzu hat er behauptet, dass im vorliegenden Fall die Sanierung des Vereins angestrebt werde.
Ende Zitat.

In Absatz 132 wird dargelegt, daß insbesondere bei vereinsähnlichen Strukturen einer Gesellschaft die Insolvenz als „wichtiger Grund“ zum Ausschluss greift.

Zitat:
Als ein solch wichtiger Grund muss aber im Hinblick auf das virulente Interesse der Gesellschaft an der Erhaltung ihrer finanziellen Solidität die Eröffnung des Insolvenzverfahrens gesehen werden, was insbesondere dann zu gelten hat, wenn diese wie hier in ihrer Struktur einem Verein angenähert ist (Reichert, die Gesellschaften Handbuch des Vereins- und Verbandsrechts, 8. Auflage, Rn. 1618; 1627). Wenn das seit dem 01.01.1999 geltende Insolvenzrecht in § 18 InsO auch die Möglichkeit eines Insolvenzantrages durch den Schuldner selbst für den Fall der nur drohenden Zahlungsunfähigkeit vorsieht, so steht das den vorgenannten Überlegungen nicht entgegen. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellt auch im Hinblick auf die dergestalt erweiterten Insolvenzgründe jedenfalls den Anschein dafür dar, dass der Schuldner auf weiteres nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverbindlichkeiten nachzukommen. In diesem Falle ist es der Gesellschaft grundsätzlich nicht zuzumuten, das Gesellschaftsverhältnis fortzuführen. Dies hat auch der Gesetzgeber so gesehen, wenn er trotz der Neuregelung der insolvenzrechtlichen Vorschriften die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit § 131 Abs.3 Nr. 2 HGB in den Kanon der Ausschlussgründe eines oHG-Gesellschafters aufgenommen hat. Ende Zitat.

Höchst brisant wird es im nächsten Abschnitt, in dem man zu den sanierungsfähigen Gesellschaften insofern Stellung nimmt, daß es unter Umständen zu einer anderen Gesamtbeurteilung kommt.

Zitat:
Etwas anderes kann aufgrund der im Zusammenhang mit einer außerordentlichen Kündigung vorzunehmenden Gesamtabwägung nur dann gelten, wenn hinreichende Anhaltspunkte für eine mögliche Sanierung des Unternehmens vorliegen. Dies war vorliegend jedoch nicht der Fall. Der den Kläger im Rahmen der Gesellschafterversammlung vom 17.05.2002 vertretende Rechtsanwalt J. erklärte lediglich die Absicht, den Spielbetrieb der Schuldnerin fortzuführen. Bis auf diese Absichtserklärung wurden von ihm aber keinerlei konkrete Angaben zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gemacht, die einen Rückschluss auf die behauptete Sanierungsfähigkeit des Vereins zugelassen hätten. Im Gegenteil ergibt sich gerade aus dem eigenen Bericht des Klägers vom 16.04.2002, dass bei der Schuldnerin sowohl Überschuldung als auch Zahlungsunfähigkeit gegeben waren und eine Sanierung das Engagement eines erst noch zu findenden Sponsors vorausgesetzt hätte. Dass ein solcher neuer Geldgeber gefunden worden wäre, wurde von dem Kläger jedoch zu keinem Zeitpunkt vorgetragen. Im Hinblick darauf war die Beklagte zum Ausschluss der Schuldnerin berechtigt.
Ende Zitat.

Und das ist der Knackpunkt und das Hauptargument der Schlittenhunde. Ich bin kein Jurist, deshalb steht es mir fern ein Urteil zu fällen.  Tatsache ist, und das müssen die Richter entscheiden, welches Gut höherwertig ist.
Zum einen steht dort die Rettung einer Gesellschaft, die lediglich Büttel eines Investors ist. Die Gesellschaft wird als Mieter miß/gebraucht, damit der Investor auf seinem brachliegenden Grundstück seine Halle bauen kann mit Hilfe von Geldern der öffentlichen Hand und unter Finanzierung von Banken, die nicht mit 20 % abgespeist wurden. Spätestens, und das ist meine Vermutung, wird mit der gewinnbringenden Veräußerung der Halle auch das Ende der Huskies eingeläutet, es sei denn, es finden sich Verrückte wie an anderen Eishockeystandorten, die einen „Verein“ unterstützen.

Zum anderen stehen Regeln für einen gemeinsamen Sport, nicht immer rechtskonform, aber dennoch mit einem gemeinsamen Ziel. Ebenfalls stehen auf dieser Seite Lizenzbestimmungen und Lizenzprüfungen, eine Sportgerichtsbarkeit, die samt und sonders ad absurdum geführt werden, wenn ich mich diesen entziehe, weil es nicht in meine Planungen passt.

Kurzum, es geht wieder einmal um den Sport. Heiße ich den Weg der Schlittenhunde gut, dann gewähre ich ihnen einen nicht unbedeutenden Wettbewerbsvorteil. Manche nennen es auch Wettbewerbsverzerrung. Sollen aufgrund dieser Wettbewerbsverzerrung andere Vereine auf der Strecke bleiben oder wirtschaftliche Nachteile erleiden?

Meiner Meinung nach ein klares Nein. Der Sport mit seinen Regelungen sollte immer im Vordergrund stehen. Gerade unser Sport, der aufgrund seiner Härte und Schnelligkeit bestens geeignet ist Emotionen zu wecken, und das hoffentlich bald wieder im positiven Sinne.

Für eishockey.net: Jürgen Windeck

Unser Kolumnist Jürgen Windeck freut sich über spannende Diskussionen im Forum: Link




 
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